Lebensführung & Rhythmus
Das Leben ist ein natürlicher Kreislauf, ein zyklischer Prozess. Die einzige Konstante dabei, ist die Veränderung. Sie begleitet uns so sicher wie der Tod. Manchmal liebe ich sie, manchmal hasse ich sie, manchmal fürchte ich mich vor ihr, manchmal sehne ich mich nach ihr. Letztendlich ist sie immer ein Aufruf an uns selbst, zum Leben „Ja“ zu sagen. Veränderung annehmen heißt nicht, sie zu verstehen oder zu kontrollieren sondern, ihr Raum zu geben.
Ich habe mich schon oft gezwungen gefühlt, etwas gehen zu lassen, um Platz für etwas anderes zu schaffen. Aber wofür genau? Was ist es, das mich nachts oft nicht schlafen lässt, mir Energie raubt und mein inneres Feuer erlöschen lässt? Was ist es, das mehr Raum haben will?
Im Jahr 2019 war eine der größten Herausforderungen für mich, an mich und meine eigene Haltung dem Leben gegenüber zu glauben, meine echten Talente zu schätzen und meiner Sehnsucht nach wahrhaftiger Lebendigkeit zu folgen. Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich meine Grenze der Anpassung und des Funktionierens weit überschritten hatte. Ich lief Gefahr, in Lethargie zu verfallen. Ich hatte Sorge vom vielen Gedankenmachen auszubrennen. Es war der ständige Stress, mit nichts so richtig fertig zu werden, der Drang, alles meistern zu müssen, mein Anspruch, den Menschen um mich herum Bedeutung zu schenken und das Gefühl, die ganze Last der Welt auf meinen Schultern zu tragen.
Genau hier beginnt für viele Menschen der eigentliche Prozess: Veränderung annehmen bedeutet zuerst, anzuerkennen, wie sehr man sich selbst über Jahre zurückgestellt hat.
Es kam der Punkt an dem ich mich als Opfer der Gesellschaft empfunden habe. Das war der Moment, in dem Hingabe in Selbstverlust gekippt ist – leise, fast unmerklich, und doch mit voller Wucht. Und mit diesem Gefühl zog ich mich immer weiter zurück. Solche Phasen führen bei mir zu maximalem Rückzug. Sie lassen mich immer wieder schmerzhaft, aber befreiend erkennen, dass ich mich für Systeme aufopfere.
Aber ich bin kein Opfer. Ich habe selbst meine Grenzen und Bedürfnisse ignoriert. Ich habe mir ständig Sorgen um alles und jeden gemacht.
Was mich nachts nicht mehr schlafen ließ, waren meine Wünsche, die auf der Strecke geblieben sind. Sie hatten immer auch etwas mit dem Anspruch die Welt verbessern zu wollen.
Was mir die Energie geraubt hat, sodass ich kaum noch für mich selbst sorgen konnte, waren meine Träume von einer friedvollen und lebendigen Welt, die ich im Keim erstickt habe.
Was mein inneres Feuer nur noch glimmen ließ, waren meine Ängste und meine Unsicherheit darüber, wie ich damit leben soll, mich selbst an erste Stelle zu setzen, während es noch etwas gibt, das ungeklärt ist, leidet oder meine Unterstützung gebrauchen könnte. Diese Ängste haben meine Bedürfnisse und wahrhaftigen Ziele zerschmettert.
Genau an diesem Punkt beginnt echtes Grenzen setzen: nicht aus Prinzip und Härte, sondern als Akt der Selbstachtung. Wer nie lernt, Grenzen zu setzen, verliert sich in den Erwartungen anderer, obwohl genau darin beginnt der Weg zu sich selbst beginnt.
Auf jede Phase des Rückzugs folgt ein aufsprießender Frühling. Nach dem Innehalten kommt der kraftvolle und doch malmal zögernde Aufbruch.
Loslassen lernen heißt nicht, aufzugeben. Es heißt, die Kontrolle über Dinge abzugeben, die ohnehin nie in unserer Hand lagen. Es ist Zeit, das Privileg der eigenen Freiheit zu verkörpern, denn jede Art von Einengung und Unterdrückung empfinde ich als unerträglich. Niemandem ist gedient, wenn man sich selbst aufopfert, um andere zu retten.
Ich habe angefangen dem Leben zu vertrauen. Ich übernahm Verantwortung für mich und versuchte, selbstwirksam zu leben.
Lebendigkeit zurückgewinnen: Aus Müssen wird Wahl
Das, was uns auf unserem Lebensweg begegnet, können wir nicht bestimmen. Wie wir jedoch auf die Herausforderungen des Lebens reagieren, das liegt in unserer Hand. Und wenn ich gut für mich sorge, dann entsteht aus dieser Mitte heraus auch die wirkungsvollste Kraft für anderes.
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„Wir alle tragen eine ungezähmte, unerschütterliche Kraft in uns. Doch den Zugang zu ihr haben wir viel zu lange verschüttet. Zeit, ihn wieder freizusprengen.“
Nikola
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