Ich habe meinen sicheren Job als Beamtin nicht gekündigt, weil ich ungern Lehrerin war und erst recht nicht wegen meiner Schüler:innen. Sondern weil ich das, woran ich glaube, im alten System nicht mehr unterbringen konnte.
Im Schulsystem lernen wir schon als Kinder, fremde Erwartungen zu erfüllen, eigene Gefühle zu unterdrücken, den Körper stillzuhalten und Konflikten auszuweichen. Vor allem lernen wir, nicht zu sehr aufzufallen. Lehrkräfte können dort zwar Impulse setzen, aber selten an die Wurzel gehen. Also habe ich angefangen, meine eigene Schule zu bauen. Heute verbinde ich Pädagogik, Sportwissenschaft, Soziologie und tiefgehende Körperarbeit zu einem Curriculum, das ich mir selbst gewünscht hätte: ein Raum für Wahrnehmung, Integrität und verkörperte Handlungsfähigkeit. Für den Mut, auch unter sozialem Druck radikal nach den eigenen Werten zu handeln. Ich glaube nicht, dass das reine „Frauenthemen“ sind. Ich habe mich auf Frauen spezialisiert, weil ich genau dort wirken will, wo ich selbst herkomme und wo falsche Anpassung, Fürsorge und soziale Erwartungen uns besonders subtil gefangen halten.
Denn was hier geschieht, bleibt nie bei einer einzelnen Frau. Es verändert, wie sie Beziehungen führt, wie sie arbeitet, Grenzen setzt, echte Verantwortung übernimmt und falsche zurückgibt. Es verändert, wie sie der Welt begegnet. Aus diesem Gedanken ist das Jahr der Souveränität entstanden.